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Bericht

Oldtimerauktion in Borken - Ein Erlebnisbericht

1920 Opel 14/48 PS "Spitzkühler" Tourer, lang

1955 Mercedes-Benz L311

Tempo Matador, ca. 1960

1957 Opel Olympia Rekord

Über die Kunst, eine Auktion durchzuführen.

 Am 05.11.2016 fand in Borken, NRW etwas statt, das sich hierzulande noch recht selten abspielt. Die Auktionator Karl & Uwe Lippe KUL GmbH aus Herne lud zu einer Oldtimerauktion ein. Unter den Hammer kam eine Sammlung von 44 Pkw und Lkw, mehrheitlich im Zustand 4-5. Das zahlreich erschienene Publikum erhoffte sich darunter auch das ein oder andere Schnäppchen, zumal bis zum Beginn der Auktion unklar war, ob es sich um eine No-Limit-Versteigerung handeln würde oder nicht. Das Publikum ging zumindest mehrheitlich davon aus. Und die Laune auf dem Platz war gut, das Interesse rege und für das leibliche Wohl sorgten die üblichen Imbisswagen. 

Um Punkt 12 Uhr wurde mit der Auktion begonnen.

Die Auktionsregeln wurden nun noch mal erklärt und jedem Anwesenden wurde die Möglichkeit eingeräumt, sich nachträglich registrieren zu lassen, sollte er sich spontan für ein Fahrzeug entscheiden. Das Aufgeld lag bei moderaten 10%. Soweit, so gut.

Das erste Los war ein Motorrad, eine Bimota Suzuki SB3D, der Auktionator rief als Mindestgebot 15.000 Euro auf. Der Saal hüllte sich in Schweigen. Los 2, ein Barkas im Zustand 5, Mindestgebot 1.000 Euro, kein Gebot, Los 3, ein MB L311 von 1955 im Zustand 5 für ein Mindestgebot von 4.000 Euro. Man hätte eine Stecknadel fallen gehört. Im Saal und auch beim Auktionator machte sich erste Ratlosigkeit breit. Kann es so weiter gehen? Erst mal ja. Mit dem 9. Los (MB L312, 1953, Zustand 3-) konnte für 6.000 Euro ein Zuschlag erzielt werden, sehr zur Erleichterung des Auktionators. Im weiteren Verlauf der Auktion fand dann langsam eine bessere Interaktion mit dem (durchaus bietwilligen) Publikum statt, sodass insgesamt 5 Fahrzeuge verkauft und 10 unter Vorbehalt verkauft werden konnten. Der Opel Spitzkühler von 1920 und das letzte Los der Auktion fand für einen Mindestgebot von 125.000 Euro keinen neuen Besitzer.

Was war hier passiert? Die Erwartungen des Publikums kollidierten mit den Vorgaben des Verkäufers. Der Auktionator hatte die unangenehme Rolle, die (teils sehr hohen) Preiserwartungen des Verkäufers vorzutragen, ohne in der Preisgestaltung einen Spielraum zu haben. Ein Volvo PV444 im Zustand 4+ wurde für 3.900 Euro nur unter Vorbehalt verkauft, obwohl der Mindestpreis nur 100 Euro entfernt lag. So verkam die Auktion zu einer reinen Verkaufsveranstaltung. Dabei wären manche Preiswünsche des Verkäufers durchaus realisierbar gewesen. Allerdings besteht die Kunst einer Auktion (und auch das Können des Auktionators) darin, mit kleinen Preisen die Bieter zu locken und zu lockern, damit sie selbst letzten Endes freiwillig den Preis zahlen, den sich der Verkäufer erhofft hat. Natürlich muss aber auch der Verkäufer bereit sein, hier und da von seinen Preisvorstellungen, im Interesse der Bieterstimmung, abzuweichen. In einer Apotheke kauft man nun mal ungerne ein. Wichtig ist auch, dass die ersten Lose einer Auktion verkauft werden. Dann kommt Stimmung in die Bude, dann macht Bieten und Zuschauen Spaß. Diese Kunst des Auktionierens ist leider in Deutschland noch nicht angekommen. Das zeigte diese Auktion sehr deutlich.