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News Bericht

50 Jahre British Leyland

Eine kleine Auswahl der Fahrzeuge aus dem Konzern erwartet Sie beim Weiterblättern in unserer Galerie: Festival of the Unexceptional"

Der Austin 1100/1300 war Mitte der 60er ein modernes Auto mit Frontantrieb und Quermotor. Einzig die Heckklappe fehlte ihm.

Das gleiche Fahrzeug gab es als MG, sportlicher machte es ihn dadurch nicht.

Das gleiche Fahrzeug gab es auch als luxuriösen Wolseley, wobei - luxuriöser machte es ihn dadurch auch nicht.

Der Austin Allegro hatte 1973 einen robusten Stoßstangen-Motor aus den 50ern, aber eine fortschritliche "Hydragas"-Federung. Eine moderne Heckklappe wurde wieder vergessen.

Dafür gab es aber Wurzelholz, Ledersitze und Picknick-Klapptische in den Sitzrücklehnen beim Vanden Plas!

Das Facelift von 1979 half nicht mehr, den Verkauf anzukurbeln.

Der Austin Metro startete 1980 und sollte den alten Mini ablösen. Aber Totgesagte leben länger.

Als MG Turbo-Metro könnte man ihn sich schon gefallen lassen...

Der Austin Princess erschien 1975, wahlweise mit Vierzylinder oder quer eingebautem Reihen-Sechszylinder. Neben Austin, konnte man ihn auch von den "Marken" Morris und Wolseley bekommen, jeweils mit geändertem Kühlergrill und Scheinwerfern. Eine moderne Heckklappe ..., nun, Sie können es sich denken.

1982 erschien das Facelift mit - tadaa!! - Heckklappe. Als Ambassador war er bis 1984 im Angebot, dann war Schluss.

Neben Austin war der andere große Volkswagenhesteller Englands Morris. Der Marina erschien 1971, auf technischer Basis der Minor von 1948, u.a. mit Hebelstoßdämpfern. Verarbeitung und Fahrverhalten waren lausig bis kriminell. Die britische Sendung "Top Gear" setzt sich dafür ein, alle Marina zu verschrotten, bis auf einen, der zur Abschreckung und als mahnendes Beispiel ausgestellt werden soll.

Wer bei Triumph nur an harte, laute Roadster denkt, der sollte sich mal den Toledo ansehen. Oder besser nicht...

British Leyland hatte mit dem Rover-V8 einen sehr guten Motor im Konzern. Trotz klammer Kassen wollten die Jungs von Triumph aber unbedingt ihren eigenen V8 entwickeln. Thermische Probleme, schwache Steuerketten und eingelaufene Kurbelwellen waren das Resultat und ließen den Stag oft in der Werkstatt stehen.

Der Austin Maxi sollte eine Auto mit größtem praktischen Nutzwert ohne emotionale Zugeständnisse werden. Das ist gelungen.

Auch dem Mini wollte mal ein modernes Gesicht verpassen. Heute wissen wir, die runden Kulleraugen gefallen uns besser.

Quality Badge

Der Anfang vom Ende

Stellen Sie sich vor, Daimler und die VW Gruppe schließen sich unter Federführung der Bundesregierung zusammen, BMW kommt dann auch noch dazu. Kann so eine Firmenehe glücklich enden? Im Falle der britischen Autoindustrie ging dies jedenfalls gründlich schief.

Was man sich heute in Deutschland schwer vorstellen kann, geschah 1968 im Vereinigten Königreich. Die Leyland Motor Corp. (u.a. Leyland Lkws, Rover und Triumph Autos) und die British Motor Holding (u.a. Morris, Austin und MG) fusionierten 1968 zur British Leyland Motor Corporation. Bereits zwei Jahre vorher wurde Jaguar Teil der British Motor Corporation (BMC), welche dann zur Holding wurde.

Natürlich gab es noch auf dem Papier die vielen kleinen Marken, wie Wolseley, Daimler, Riley oder Standard, doch sie waren schon Jahre zuvor zu einem reinen Marketing Instrument geworden, um treue Kunden per „Badge Engineering“ bei der Stange zu halten.

Unter der British Leyland Ära rollten hunderttausende von Fahrzeugen aus den Produktionshallen, viele Modelle darunter mit besonders eigenwilligen britischen Stil. Doch es war auch die Ära der Arbeiterstreiks und internen Machtgerangel, der nun unter einem Dach sich wiederfindenden ehemaligen Konkurrenten. Unproduktivität und Qualitätsprobleme waren die Folge. In Deutschland fand man hierfür schnell den Begriff „Britisch Elend“. Und mit dem Elend wäre dann auch 1975 Schluss gewesen, wenn nicht die britische Regierung den bankrotten Konzern verstaatlicht hätte. So wurden zwar vorerst die Arbeitsplätze gerettet, doch wichtige Reformen blieben aus. Der „englische Patient“ starb in den folgenden Jahren eine langsamen Tod, Anfang der 80er Jahre begann der Verkauf einzelner Marken. Die übrig gebliebenen Marken der BL wurden dann 1986 zur Rover Group zusammen geschlossen.