Classic Data Magazin

Zur Webseite von Belmot
News Veranstaltungen & Termine

Frauen geben Gas! Automobilgeschichte aus weiblicher Sicht

07/12/2017

Sonderausstellung in der Central Garage in Bad-Homburg

Autos waren seit Generationen ein Männerobjekt (und Oldtimer sind es bis heute). Eine Frau am Steuer – das war lange Zeit ungeheuerlich. Erst 60 Jahre ist es her, dass mit dem Gleichberechtigungsgesetz von 1957/58 Frauen nicht mehr die Genehmigung ihres Mannes brauchten, um den Führerschein zu machen. 

Dabei war es eine Frau, die vor 129 Jahren die erste große Testfahrt mit einem Automobil absolvierte – Bertha Benz. Mit der Verbreitung der neuen Erfindung kamen bald auch weitere Frauen, die es mit dem „Teufelsgefährt“ aufnahmen. Es waren durchweg mutige und rasante Pionierinnen, die sich über viele Konventionen und die Vorurteile der Männer hinwegsetzten. Besonders nach dem Ersten Weltkrieg, als in den Roaring Twenties Haare wie Röcke kürzer wurden, eroberten sich immer mehr Frauen – wenn auch meist nur diejenigen der Oberschicht, die es sich finanziell leisten konnten – den Platz am Lenkrad: Das Auto wie auch das Motorrad bedeutete erstmals in diesem Ausmaß Freiheit und Unabhängigkeit.

Mit elf Automobilen und vier Motorrädern porträtiert die Ausstellung „Frauen geben Gas“ in der Bad Homburger Central Garage exemplarisch 13 außergewöhnliche Frauen aus rund 120 Jahren. Sie zeigen, dass Frauen zu jeder Zeit fähig waren, ebenso gut zu fahren wie Männer. Darunter sind bekanntere Namen wie Elisabeth Junek, Clärenore Stinnes und Ewy Rosqvist, aber auch in den Annalen der Automobilgeschichte selten auftauchende Namen wie Hanni Köhler, die „Motorradkönigin der 1920er“ oder Erika Mann, die Tochter des Literaturnobelpreisträgers. Sie gewann 1931 die 10.000-Kilometer-Rallye quer durch Europa auf einem Ford A – und hatte eigens hierfür zuvor noch eine Automechanikerausbildung absolviert.

Neben den Biografien und der Technik wird vor allem Zeitgeschichtliches beleuchtet. Wie entgegneten die Frauen den Vorurteilen? Wie entwickelte sich die Autofahrer-Mode? Und schlussendlich beleuchtet die Ausstellung auch die Frage, was eigentlich ein „Frauenauto“ ist. Die großformatigen Ölbilder der Künstlerin Doris Zeidlewitz greifen das Thema ebenfalls auf.

Der weibliche Blick auf diesen Autogeschichte(n) kommt nicht von ungefähr: Kuratiert wurde die Ausstellung von zwei Frauen: der Kulturwissenschaftlerin Ursula Stiehler und der auf Oldtimer spezialisierten Journalistin Uschi Kettenmann. Ihr Anliegen: den Betrachtern ohne den emanzipatorischen Zeigefinger einige Aha-Erlebnisse zu bescheren – mitsamt der Hoffnung, dass die Diskussion um die Historie der mobilen Emanzipation auch nach dem Besuch der Ausstellung weitergeht.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Oktober 2017 zu besichtigen. Nähere Informationen zur Central Garage und den Öffnungszeiten finden Sie unter: www.central-garage.de